
7
kasten verfügen, der uns erlaubt,
Ziele neuen Lebenssituationen
entsprechend anzupassen und
umzudeuten, wenn wir es schaffen
zu tun, was uns gut tut und
Beeinträchtigungen kompensieren
lernen und wenn wir physische
Gesundheit durch Bewegung
erhalten.
Menschliche Entwicklung spät
im Leben bedarf weiterer Differenzierungen
(drittes, viertes und
fünftes Alter): Im dritten Alter
engagiert man sich vielfältig,
geniesst seine Freizeit, erfreut sich
noch guter Gesundheit und hat
nicht das Gefühl, zu den «Alten»
zu gehören. Im vierten Alter nehmen
die biologischen und psychischen
Ressourcen ab, Krankheiten,
Mehrfacherkrankungen und
hohe Funktionsverluste nehmen
zu. Das fünfte Alter wird vom Abstand
zum Tod her bestimmt und
zeichnet sich aus durch oft irreversible
physische, psychische
und/oder kognitive Abbauprozesse,
die zum Tod führen.
Individuelle Entwicklung ist zu
jedem Zeitpunkt, also auch im
höheren Lebensalter, in soziale
und räumlich-dinglich-technische
Kontexte eingebunden: Die
Lebensqualität hängt von den
sozialen Bezügen ab, von den
Formen der Interaktion mit Angehörigen,
Bekannten und Pflegenden,
aber auch durch die Lebensräume
(Wohnung, Quartiere,
Regionen) und technischen Hilfsmittel,
mit denen man sich innerhalb
und ausserhalb der Wohnung
bewegt.
Individuelle Entwicklung ist zu
jedem Zeitpunkt, also auch im
höheren Lebensalter, in gesellschaftlich
historische Zusammenhänge
eingebettet:
Je nach Gesellschaft und historischer
Epoche, in die man hineingeboren
wird, wird man von bestimmten
Verhaltensweisen,
Vorurteilen und Bildern vom
Älterwerden beeinflusst.
Menschliche Entwicklung ist bis
ins höchste Alter hinein veränderbar
(Plastizität): Selbst im
hohen Alter sind hirnorganische
Aufbauleistungen noch möglich
durch systematische Übungen.
Allerdings ist die sogenannte
Neurogenese langsamer als etwa
im Jugendalter.
Diese neun Prinzipien der «neuen
Psychologie des Alterns» stimmen
zuversichtlich. Einerseits können
die Älteren selbst dafür sorgen,
dass sie ihre Lebenssituation aufgrund
ihrer Biographie besser verstehen,
die eigenen physischen,
psychischen, kognitiven und
sozialen Ressourcen nutzen und
somit ihre Lebensqualität positiv
beeinflussen. Anderseits können
Menschen, die mit Älteren als
Angehörige, Freunde, Nachbarn,
Pflegende oder auch anonym
zu tun haben, aufgrund der neun
Prinzipien sich vor altersspezifischen
Vorurteilen schützen. Alle
Älteren haben höchst persönliche
Chancen, Probleme und Erfahrungen,
die im Umgang mit ihnen zu
berücksichtigen sind.
Literatur: Hans-Werner Wahl:
Die neue Psychologie des Alterns.
Überraschende Erkenntnisse
über unsere längste Lebens-
phase. München 2017, S. 29 – 49.