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Robotisierung führt nicht zur
zeitlichen Entlastung
Aber dennoch: Nur weil Roboter
eine zunehmende Vergesellschaftung
erfahren, sollten sie nicht unreflektiert
und im substitutiven
Sinne in der formellen und informellen
Pflege wirken. Denn erste
Studien weisen bereits dar- aufhin,
dass gerade der Einsatz von
emotionalen Robotern eine intensive
Begleitung der pflegebedürftigen
Person voraussetzt und
nicht zur «zeitlichen Entlastung»
der Pflegen- den führt (Baisch et
al. 2018). Die Annahme, robotische
Artefakte könnten pflegerisches
Handeln ersetzen, ist
nahezu
naiv. Vielmehr wird die
Robotisierung der Pflegesituation
– ob sinnvoll oder nicht – zu einer
Verkomplizierung des Komplexen
beitragen. Denn in der Pflegesituation
ist nun ein «Dritter im Bunde
» (Pfadenhauer & Dukat 2016),
der auch (mit) handelt. Dieser
Dritte vermag vielleicht Pflegesituationen
zu unterstützen, mitzugestalten
und zur lebensweltlichen
Krisenbewältigung
beizutragen
– und auch nur dann,
wenn die Nutzer ein sinnhaftes
Innovationspotential
im (zusätzlichen)
künstlichen Gefährten
sehen.
Somit sollten primär die Bedürfnisse,
Interessen und Vorlieben
der technik- nutzenden Personen
den zentralen Ausgangspunkt zu
den Überlegungen bilden, ob der
personen- und situationszentrierte
Technik- und Robotereinsatz
in der Pflege eine mögliche Möglichkeit
darstellen könnte.
Somit bleibt mitunter zu fragen:
Können Maschinen zur Humanisierung
der pflegerischen Arbeitswelt
beitragen?
Verfassende:
Prof. Dr. Thomas Beer ist
Dozent für Pflege und Pflegewissenschaft
und forscht im
Bereich
Dementia Care.
Julian Hirt, MSc ist wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Institut für
Angewandte Pflegewissenschaft
IPW-FHS.
Prof. Dr. Heidi Zeller ist Leiterin
der Fachstelle Demenz am
Institut
für Angewandte Pflegewissenschaft
IPW-FHS.