
Heimeinritt und Adaptionsphase: «Ich fühle mich wohl im Heim!» Der Eintritt ins P egeheim und das Einleben im Heim stellt die älteren Menschen vor grosse Herausforderungen.
Um sich im Heim eingewöhnen zu können, braucht es persönliche Ressourcen, Fähigkeiten
und Bewältigungsstrategien. Die Resultate der befragten Personen, die seit sechs bis acht Monaten
im Heim leben, zeigen, dass es gelingen kann, Wohlbe nden im Heim zu erlangen. Als erfolgsversprechende
Faktoren werden Unterstützung durch die Familie, die freundlichen Mitbewohnerinnen und das
kompetente P egepersonal erwähnt.
Ein Bericht von Ursula Arn, MAS Gerontologie, Berner Fachhochschule Institut Alter
Die meisten älteren Menschen wünschen sich, dass
sie bis an ihr Lebensende zu Hause leben können.
Die ambulanten Leistungen und Angebote wurden
in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Solange
wie möglich zu Hause zu leben, ist für die älteren
Menschen sehr bedeutend. Die positiven Auswirkungen
auf die Lebensqualität, die Selbständigkeit
und nicht zuletzt auf die Kosten sind erheblich.
Trotzdem kann irgendwann der Zeitpunkt eintreffen,
in welchem das Leben in der eigenen Wohnung
nicht mehr alleine gemeistert werden kann. Für viele
ältere Menschen ist der Gedanke oder die Vorstellung,
in ein P egeheim zu ziehen und dort zu leben,
mit vielen Ängsten und Ablehnung verbunden. Die
negativ gefärbte Bewertung des Lebens im Heim
und die Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit
machen den Übertritt in ein P egeheim zu einem
kritischen Ereignis im Leben von alten Menschen
(Backes & Clemens, 2013). In der Praxis erlebt die
Autorin, dass sich einige Bewohnerinnen nach kurzer
Zeit sehr wohl fühlen im Heim. Anderen gelingt
es nur schwer, sich einzugewöhnen und diese neue
Lebensform zu akzeptieren. In ihrer Masterarbeit ist
die Autorin der Frage nachgegangen, welche persönlichen
Ressourcen und Umweltfaktoren den Adaptionsprozess
der Bewohnerin beein ussen und
das Wohlbe nden unterstützen.
Als Adaptionsphase wird die Zeit der Eingewöhnung
und das Einleben bezeichnet. Saup
(1993, zit. n. Altmann, 2014) spricht in seinem
Prozessmodell des Übergangs von der Phase
der kurzfristigen und der Phase der längerfristigen
Adaption. Die längerfristige Adaption beginnt
nach Saup ab dem sechsten Monat.
Wohlbefi nden im Alter
Perrig-Chiello (1997) ist der Ansicht, dass menschliches
Wohlbefinden von Persönlichkeitsvariablen
wie auch von Umweltbedingungen abhängt.
Wohlbe nden und Lebenszufriedenheit sind das
Ergebnis selbstregulativer Prozesse, die sich an
die Lebensumstände anpassen (Höp inger, 2005).
Perrig-Chiello (1997) de niert das Wohlbe nden
im Alter über drei Gruppen von Ressourcen: die
physischen, die psychischen und die sozialen.
Ressourcen werden als Faktoren oder Fähigkeiten
de niert, die die Bewältigung von Stress erleichtern.
Das generelle psychische Wohlbe nden zeigt
keine alterskorrelierte Abnahme, obwohl sich der
Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Dies
wird auch als Wohlbe ndens-Paradox bezeichnet
(Perrig-Chiello, 2007).