
Abschied – «Alleine Essen macht nicht satt.» «Beim Abschied wird die Zuneigung
zu den Sachen, die uns lieb
sind, immer ein wenig wärmer»,
wusste Michel de Montaigne schon
vor rund 500 Jahren. Sein Zitat sagt
auch, dass wir vielfach Angst haben,
etwas zu verlieren, bevor wir es wirklich verloren
haben.
Drei Interviews geben im folgenden Beitrag Einblick
über den Abschied von zu Hause, den Abschied von
Gewohntem und die Chance etwas Neues zu erleben.
Kurze Geschichten von unseren Bewohnerinnen
Paula Brunner und Erika Lakewand und unserem
Bewohner Ernst Kuhn.
«Ich vermisse mein Rosenbeet»
de facto: Paula Brunner, Sie haben erst gerade Ihren
100sten Geburtstag gefeiert. Gibt es ein Geheimnis
für dieses stolze Alter?
Paula Brunner: Das ist nicht so schwierig und auch
kein Geheimnis. Das Leben geht immer weiter und
das auch vorwärts. Und so muss man auch denken.
Das Geheimnis? Natürlich immer was tun, mit
«schaffe» wird man nicht nur erfahren, so wird man
auch 100 Jahre alt.
de facto: Fühlen Sie sich wohl in Küsnacht, in unserer
Residenz?
Paula Brunner: Ich habe ein Haus in Thalwil und
war als Kind auch in Lugano zu Hause. Zu Hause ist
dort, wo man ist. Hier ist es auch schön, und mein
Sohn wohnt ja in der Nähe. Ich habe 4 Kinder und
so etwa 10 Enkel. Die Enkel sind auf der halben
Welt verstreut. Das ist eben wirklich nicht mehr wie
früher. Aber das ist auch gut so.
de facto: Von was mussten Sie bei Ihrem Einzug
Abschied nehmen?
Paula Brunner: Mir fehlt mein Garten, ich vermisse
mein Rosenbeet. Es ist schön, etwas zu gestalten
und zuzusehen wie etwas Neues heranwachst. Leider
hatte ich einen kleinen Unfall und meine Kinder
konnten mich überzeugen, dass ich es hier besser
habe. Und weil ich mich gerne überraschen lasse,
nde ich es hier recht schön. Das gilt auch für das
Essen, meistens bin ich positiv überrascht. Mit meinen
Bekannten hier macht es auch mehr Spass: Alleine
Essen macht bekanntlich nicht satt.
«Oft haben wir es auch wirklich lustig»
de facto: Erika Lakewand, Sie sind ja ursprünglich
aus Bremen. Fühlen Sie sich hier in Küsnacht zu
Hause?
Erika Lakewand: Ach, ich bin eigentlich auf Wohnungssuche.
Meine Wohnung fand ich toll. Aber hier
ist es gut. In meinen Rauchpausen tratschen wir
natürlich und haben es oft auch wirklich lustig. Dennoch
hätte ich gerne wieder eine eigene Wohnung.
de facto: War der Abschied von Ihrer Wohnung
schwer für Sie?
Erika Lakewand: Es ist ja nicht nur die Wohnung,
es geht darum, das zu tun, worauf man gerade Lust
hat. Hier ist natürlich vieles klar organisiert. Das ist
ja auch gut so, aber manchmal vermisse ich die
Spontanität.
«Eine Hafenrundfahrt in Hamburg ist schöner»
de facto: Ernst Kuhn, Sie sind seit anderthalb Jahren
in der Residenz. Gefällt es Ihnen hier?
Ernst Kuhn: Was soll ich sagen, eine Hafenrundfahrt
in Hamburg ist schöner... Aber es ist hier ganz ok.