
Abschied – wie Angehörige unterstützen und unterstützt werden Abschiednehmen hat viele Facetten
und wird oft gleich gesetzt mit Sterben
und Tod. Laut Duden bedeutet
Abschied «Trennung von jemanden,
etwas». Und das ist etwas, was
wir tagtäglich erleben. Es gibt die
kleinen alltäglichen Abschiede, sowie die Gewichtigen.
Zu erkennen, welche klein und welche gross
sind, ist uns oft erst im Nachhinein möglich. Wir nehmen
als Jugendliche Abschied von der Kindheit, als
Eltern beim Auszug unserer erwachsenen Kinder, als
Angehörige von den Eltern, bei Demenzerkrankten
von der bekannten Persönlichkeit. Der Umgang mit
Abschieden ist sehr individuell.
Im Bereich Betreuung ist das Thema Abschiednehmen
gewichtig. Menschen die bei uns eintreten, haben
aufgrund ihrer Lebenserfahrung schon viele Abschiede
erlebt. Abschied von PartnerInnen, Freunden
und Angehörigen, aber auch Abschied von eigenen
Fähigkeiten und Fertigkeiten. Der Eintritt in unsere
Institution erfolgt mehrheitlich nach einem Aufenthalt
in einem Spital oder in einer Rehabilitationsklinik. Zeit
von zu Hause Abschied zu nehmen, blieb den Menschen
meist nicht. Bei einigen besteht das Ziel, dass
sie nach einem vorübergehenden Aufenthalt wieder
nach Hause austreten können. Doch auch von diesem
Ziel müssen einige während des Aufenthaltes
Abschied nehmen. Untersuchungen zeigen, dass es
Menschen bei einem nicht selbstgewählten Eintritt
schwerer fällt, sich auf die veränderte Situation einzulassen.
Hier ist es ganz wichtig, sie in ihren Aengsten
und Unsicherheiten aufzufangen. Ein wichtiger Teil ist
das soziale Umfeld. Angehörige und Bezugspersonen
sind die Brücke zum bisherigen Leben, sie kennen die
Gewohnheiten und Wünsche, sind für den Bewohnenden
ein kontinulierlicher Faktor und sind aber auch
selber vom Abschied nehmen betroffen. Gewohnte
Abläufe verändern sich, Rituale müssen angepassst
oder neu aufgebaut werden. Für die Betreuung und
P ege bedeuten Angehörige ein grosses Tool an Wissen
und Unterstützungsmöglichkeiten, sie sollten
aber auch im Eintritt ihrer Eltern, Grosseltern, etc.
begleitet werden.
Die Biogra earbeit, d.h. die Auseinandersetzung und
Beschäftigung mit der Lebensgeschichte eines Menschen,
spielt eine zentrale Rolle. Es geht hierbei um
das Wahrnehmen des Gegenübers als Ganzes, erkennen
und respektieren seiner Individualität, seiner
Gewohnheiten und Bedürfnisse.
Aufgrund der Bedeutung der Angehörigen für einen
positiv erlebten Aufenthalt haben wir im 2018 den
Fokus auf dieses Thema gelegt. Folgendes möchten
wir erreichen:
• Vermeidung von Kon ikten durch regelmässige
Angehörigengespräche
• Mitarbeitende sind sich der Bedeutung der
Angehörigenarbeit bewusst
• Steigerung der Qualität in der Angehörigenarbeit
Als Angehörige verstehen wir Familienmitglieder,
Freunde, aber auch Nachbarn. Sie sind ein wichtiger
und zentraler Teil damit sich Bewohnende in unserer
Institution wohlfühlen. Bewohnende entscheiden soweit
als möglich autonom, wer ihre engsten Bezugspersonen
und damit das wichtigste Beziehungsnetz
sind. Wir begleiten und unterstützen Angehörige aktiv
in dem für sie veränderten Lebensabschnitt.
Wie können wir Angehörige strukturiert begleiten
und unterstützen? Grundlage bildet ein wertschätzender,
partnerschaftlicher, regelmässiger, offener
und proaktiver Informationsaustausch und Einbezug
in den Betreuungs- und P egeprozess und Alltag.