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Alterspolitik im Kanton St.Gallen:
Digitalisierung (Teil 2)
Der Bericht der Regierung «Gestaltungsprinzipien
der Alters-
politik» wurde in der Septembersession
2022 des Kantonsrates
behandelt und verabschiedet.
Im Bericht wird dem Thema «Digitalisierung
und neue Technologien
» nur gerade etwas mehr als
eine Seite gewidmet. Für viele
ältere Menschen ist die zunehmende
Digitalisierung aller Lebensbereiche
eine grosse Herausforderung
oder sogar ein grosses
Problem. Sie kann zu noch mehr
Vereinsamung und Verwahrlosung
von alten Menschen führen.
Diese gehen nicht mehr aus dem
Haus und weil persönliche Kontakte
am Post-, Bahn- oder Bankschalter
entfallen und persönliche
Begegnungen durch digitale
Dienste ersetzt werden, fällt es
kaum auf, wenn alte Menschen
sich immer mehr zurückziehen.
Dazu steht im Bericht: «Wer allerdings
diese digitalen Dienste
nicht nutzen kann, weil sie oder
er das entsprechende Gerät nicht
hat oder sich mit diesen Möglichkeiten
nicht zurechtfindet, kann
gewisse Dienstleistungen nicht
(mehr) oder nur mit höheren Kosten
nutzen. Finanzielle Kosten fallen
an, wenn z.B. Gebühren für
Rechnungen oder Bankauszüge
auf Papier erhoben werden. Zeit-
liche Kosten entstehen, wenn gewisse
Dienstleistungen nur noch
in wenigen Filialen (z.B. der Post)
«offline» bzw. vor Ort angeboten
werden und sich damit der Weg
dahin verlängert. Emotionale Kosten
werden ausgelöst, wenn sich
jemand aufgrund dieser Veränderungen
unzulänglich oder ausgeschlossen
fühlt. Während es die
einen schätzen, vieles von zu Hause
aus erledigen zu können und
ihnen dies mehr Selbstständigkeit
sowie Autonomie beschert, fallen
für andere dadurch wichtige Elemente
wie soziale Kontakte weg
oder es fehlt ein Grund, das Haus
zu verlassen.»
Die Pandemie hat aber sicher
dazu geführt, dass immer mehr
Menschen im Alter das Internet
oder Smartphone nutzen.
Chancen und Risiken
Unter dem Titel «Chancen und
Risiken der Digitalisierung und
der technischen Entwicklung im
Alter» kommt der Bericht zum
Fazit: «Digitale Dienstleistungen
und neue Technologien werden
auch von Menschen im Alter genutzt
und können zu einer besseren
Lebensqualität beitragen.
So ist es z.B. dank verschiedenen
digitalen Dienstleistungen und
neuen Technologien möglich,
länger relativ selbstständig zu
Hause zu leben. Es besteht aber
auch das Risiko der Ausgrenzung
für diejenigen, die sie nicht nutzen
können oder wollen.
Empfehlungen
Für das Gestaltungsfeld «Digitalisierung
und neue Technologien»
sollen unter Berücksichtigung der
vier Gestaltungsprinzipien deshalb
folgende gewünschte Wirkungen
prioritär angestrebt werden:
– Möglichkeiten, die sich aufgrund
von Digitalisierung und neuen
Technologien ergeben, sind aktiv
zugunsten der Menschen im
Alter zu nutzen.
– Benachteiligungen oder Ausgrenzung
aufgrund von digitalen
Dienstleistungen und neuen
Technoligen sind zu vermeiden
bzw. abzufedern.»
Im Bericht wird empfohlen, Menschen
im Alter Unterstützung für
die wirksame Nutzung digitaler
Dienstleistungen zu geben, z.B.
mittels Kampagnen, regelmässigen
und zielgruppenspezifischen
Informationen und mit Kursangeboten
und Begleitung zur Nutzung
von elektronischen Dienstleistungen
und digitalen Infor-
mations- und Unterstützungs-
systemen.
In der Pflicht dafür stehen Gemeinden,
die, zusammen mit
Altersorganisationen, ein niederschwelliges
Angebot bereitstellen
sollten.
Theres Germann, Beat Steiger