
Sehbehinderung und Demenz im Alltag Der Gellert Hof hat inzwischen eine
dreijährige Erfahrung mit der P egewohngruppe
für demenzerkrankte
und sehbehinderte Bewohner.
Gerne lassen wir die Wohnbereichsleiterin
Frau Maja Jovanovic über ihre Erfahrungen mit
dem Konzept zu Wort kommen:
«Durch das Setting der P egewohngruppe entsteht
ein vertrauter geschützter Bewegungsradius. Das
Licht ist angenehm gedämpft. Unsere Bewohner lieben
gemeinsame Rituale wie Singen, oder Spielen.
Sie schätzen das kleine stabile Team mit den vertrauten
Stimmen.»
Der «sprechende Lift» zeigt die verschiedenen Stockwerke
akustisch an und farbige Knöpfe erleichtern die
Orientierung.
Das Fazit von Frau Jovanovic lautet: «Es ist eine Herausforderung
Menschen zu begleiten bei welchen
die kognitive Einschränkung voranschreitet und die
zusätzlich an einer degenerativen Seheinschränkung
leiden. Plötzlich ist in der Entwicklung unklar ob die
dementielle Situation vordergründig wird.»
Für die Aktivierung und Alltagsgestaltung bedeutet
dieser spezielle Rahmen eine besonders intensive
und genaue Klärung der Ressourcen. Die Bedürfnisse
und Interessen des Bewohners werden anhand
der Biographie erfasst. Die Bewohnenden werden
schrittweise in der Nutzung der verschiedenen Hilfsmittel
im Haus angeleitet.
Das folgende Beispiel gibt einen konkreten Einblick
in unsere Arbeit.
Frau D. muss auf Grund ihrer spezi schen Erkrankungen
in die P egewohngruppe zügeln. Ihre Ressource
ist die Mobilität. Sie bewegt sich selbstständig mit
Unterstützung eines Rollators durch die Räumlichkeiten.
Die halboffene Wohngruppe ermöglicht zudem
eine freie Bewegung durch das ganze Haus und dadurch
auch den Kontakt mit anderen Bewohneden.
Sie ist sehr kommunikativ. Sie zeigt jedoch kognitive
Beeinträchtigungen und hat nur noch beschränkte
Orientierungsfähigkeiten.
Ihre Seheinschränkung verstärkt den Aspekt der
Desorientierung. Wir verzichten darauf, sie in eine
geschützte Abteilung zu verlegen. Dies erfordert jedoch
zusätzliche Unterstützung der Bewohnerin. Die
Betreuer üben in den ersten Tagen mit ihr besonders
oft die alltäglichen Wege. Zudem wird im Haus gemeinsam
darauf geachtet, dass sie nicht alleine vor
die Tür geht.
Frau Dora Stalder, Leiterin Aktivierung und Alltagsgestaltung,
erzählt von ihrem Besuch bei Frau D. in der
P egewohngruppe:
«Frau D. zeigt sich erfreut und bietet mir eine Sitzgelegenheit
an. Zu Beginn äussert sie sich über ihre
Höreinschränkung.
Dies berücksichtige ich, um das Gespräch in angepasster
Atmosphäre zu führen. Beim Nachfragen,
wie es ihr denn in ihrer neuen Umgebung gehe, äusserte
sie sich wohlwollend. Sie konnte viel von ihren
Tätigkeiten im Alltag erzählen.