
Kontraste und Orientierungshilfen reichen nicht Lebensbereich
Für eine neue P egewohngruppe der Bethesda Alterszentren AG in Basel wurde literaturgestützt und
unter Einbezug von Angehörigen und Experten ein auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung
und gleichzeitiger Demenz zugeschnittenes Konzept entwickelt. Dabei steht in jeder Hinsicht der
Mensch im Mittelpunkt. Berücksichtigung von individuellen Bedürfnissen der Bewohnenden einerseits
und Verständnis des Personals für die spezi schen Zusammenhänge andererseits sind matchentscheidende
Körper
• Gangunsicherheit und
Stürze
• Bewegungsmangel
• Schwierigkeiten bei Alltagshandlungen
Lebensbereich
Geist/Psyche
• Depression
• Emotionale Unsicherheit
• Zeitliche Orientierungsschwierigkeiten
• Angst
Soziokultureller
Lebensraum
• Schwierigkeiten, Gesichter
zu erkennen
• Verkennen von Personen
und Situationen
• Verändertes Verhalten
• Schwierigkeiten im
kommunikativen Bereich
• Isolation
Lebensbereich Umwelt • Räumliche Orientierungsschwierigkeiten
Faktoren.
Fachartikel BFH, Institut Alter; Heike Schulz, MAS Gerontologie
Viele Menschen in Schweizer Alterszentren haben
eine Sehbehinderung oder eine Demenz, einige von
ihnen auch beides. Das liegt daran, dass sowohl für
Sehbehinderungen als auch für Demenzen das Lebensalter,
insbesondere ein Alter von 90 und mehr
Jahren, als grösster Risikofaktor gilt. Sehstörungen
auf Grund einer Makuladegeneration und Demenzen
des Alzheimertyps trifft man dabei am häu gsten
an.
Auswirkungen verstärken sich
Sehbehinderung und Demenz können sich in vielen
Punkten gleich äussern (was nachfolgende Tabelle
zeigt) und werden daher nicht selten auch miteinander
verwechselt.
Spring vom Schweizerischen Zentralverein für das
Blindenwesen, redet in diesem Zusammenhang
beispielsweise von einer visuellen Pseudodemenz.
Beim kombinierten Auftreten von Sehbehinderung
und Demenz können sich die Auswirkungen im Leben
der Betroffenen im negativen Sinn verstärken.
Versorgung oft ungenügend: Das Wiener Modell
Fachleute gehen jedoch davon aus, dass beim Umgang
mit den betroffenen Menschen in stationären
Einrichtungen diese Aspekte nicht immer genügend
berücksichtigt werden. Studien bestätigen diese
Befürchtung. In der Stadt Wien gibt es daher seit
dem Jahr 2006 weltweit erstmals einen speziellen
Pflegebereich für Menschen, die sowohl sehbehindert
als auch dement sind. In Wien geht man
von 500 bis 1000 Betroffenen aus. Für Basel ergibt
das umgerechnet rund 100 Betroffene. Der Wiener
P egebereich hatte Modellcharakter für die Basler
Idee, ebenfalls ein massgeschneidertes Angebot zu
schaffen. Passend zu den in der Tabelle gezeigten
Auswirkungen wurden Massnahmen für den Be-