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rausforderungen im Umfeld von Demenz und Sehbehinderung.
Aufwändige Signaletik-Konzepte sind
oft teuer und meist nach der Installation un exibel.
Auch der Unterhalt einer wirkungsvollen Signaletik
ist mit Kosten verbunden.
Über die Signaletik hat man die Chance, im ganzen
Haus kleine Akzente zu setzen, die einerseits für Orientierung
sorgen und andererseits auch Wertschätzung
vermitteln. Gleichzeitig ist die Signaletik ein
stilbildendes Markenelement für eine Organisation,
da sie von den verschiedensten Besuchergruppen
wahrgenommen wird. Eine gute Signaletik bietet
zudem die Möglichkeit, als hochwertiges Alleinstellungsmerkmal
des Betriebes wahrgenommen zu
werden.
Neben der eigentlichen Bewohnerlenkung sind weiche,
«emotionale» Aspekte zu berücksichtigen: Die
Piktogramme sollen nicht militärisch präzis, sondern
freundlich wirken, an Bekanntes anknüpfen und
«angenehme» Unterstützung bei der Orientierung
anbieten. Möglichst viele, sehr einfach zu memorierende
Elemente unterstützen hierbei. So wird
beispielsweise im Lift der Stock mit dem Ausgang
zum Park durch einen grünen Punkt markiert. Simpel,
aber äusserst effektiv.
Verp egung
Die Au ösung der klassischen Menüabfolge mit Vorspeise,
Suppe, Hauptmahlzeit und Dessert sowie
die Ablösung der starren Essenszeiten dienen den
Bewohnenden mit Demenz und Sehbehinderung als
Unterstützung. Das Anbieten von Nahrungsmitteln
mit klaren Formen und Farben sowie gut erkennbarer
Ober äche und Geruch hilft den Bewohnenden
zusätzlich. Einige Beispiele hierfür sind gekochter
Broccoli, Käsestücke, Chicken Nuggets, Rüebli,
Nüsse, Trockenfrüchte, Pommes frites, gekochte
Teigwaren, Apfelschnitze, Pizzastücke, welche
möglichst in einem Bissen und kleckerfrei verzehrt
werden können. Dies alles unter Berücksichtigung
der benötigten (in der Regel viel tieferen) Kalorienmenge
bei gleichzeitig erhöhtem Proteinbedarf. Hinweis:
Ernährungsphysiologische Aspekte sind nicht
Betrachtung dieses Artikels. Bitteres wie Zucchetti,
Scharfes und extrem Saures wie Zitronen sollte
unbedingt weggelassen werden. Dies löst starke,
unter Umständen auch nachhaltige Aversionen aus.
Ebenfalls kann Essen nicht nur am Tisch, sondern an
verschieden Orten und zu verschiedenen Tageszeiten
angeboten werden, auch für unterwegs. Wichtiger
als anderswo ist es, bei dementiell veränderten
Bewohnenden, möglichst viele Sinne anzusprechen.
Der Geruch einer frischgebackenen Wähe, der Sonntagszopf
oder auch nur die kurz aufgerösteten Gipfeli
lösen starke Erinnerungen aus und machen Appetit
und gute Stimmung.
Mit der Berücksichtigung der vorgenannten Aspekte
kann den Bewohnenden ein attraktives, behagliches
Zuhause geschaffen werden. Dies äussert sich oft in
Zufriedenheit und Ruhe der Bewohnenden.
Sascha Gisin
Zentrumsleiter Residenz Küsnacht