
Zwei Dinge, die im Umgang mit
Sars-Cov-2 in den Heimen absolut
nicht drinliegen, waren wohl allen
Beteiligten von Beginn weg klar:
Einerseits eine Lebensqualität erhalten,
wie bis Februar 2020 und einfach so tun, als
ob es das Virus nicht gäbe.
Andererseits ein ganzes Pflegeheim in einen Hoch-
sicherheitstrakt verwandeln, damit das Virus gar nicht
ins Heim «eintreten» kann.
Zwischen diesen beiden Extremen ist leider ganz vieles
unklar: Wo hört der Schutz vor dem Virus auf und
wo beginnt die Lebensqualität?
Aber: MUSS dieses Dilemma stets vorhanden sein?
Muss der Virenschutz abgebaut warden, um so Lebensqualität
zu erhalten und aufzubauen? Muss
die Lebensqualität abgebaut werden, damit der Virenschutz
gewährleistet sein kann? Kann man nicht
beides: Lebensqualität fördern und Virenschutz gewährleisten?
Wir haben uns, wie wohl viele andere auch, genau
dieser Herausforderung gestellt. Für uns hat es
enorm viel Kreativität, Flexibilität und Geduld gebraucht,
um mit dieser Vielfalt unterschiedlicher Möglichkeiten
und Meinungen umzugehen.
Welche konkreten Angebote in der Lebensqualität
«opfern» wir dem Virenschutz? Welches Klima erwirken
wir im Pflegeheim und welche Botschaft strahlen
wir auf die Menschen aus, die mit uns zu tun
haben? Wie können wir durch andere Massnahmen
die geopferte Lebensqualität wieder ein Stück weit
wettmachen?
Einige Beispiele:
Isolation und Quarantäne bedeuten Verlust der Lebensqualität
durch Wegfall von Begegnungen, sozialen
Kontakten, Austausch und Gesprächen.
Ganz besonders bei diesen Massnahmen muss die
Lebensqualität aktiv und sofort aufgebaut werden.
Das sind dann vor allem Privilegien, die exklusiv den
isolierten und sich in Quarantäne befindlichen Bewohnenden
zukommen:
• Die Heimleitung tritt vermehrt in Kontakt mit den
betroffenen Bewohnenden und spricht die Isolation
oder Quarantäne beim Bewohnenden an. Sie
fragt nach, was sich der/die Bewohnende für diese
Phase wünscht, damit er/sie diese gut bewältigen
kann.
• Die Heimleitung fragt während den 10 Tagen regelmässig
telefonisch und persönlich nach, wie es
geht, und vermittelt so Sicherheit und Gewissheit.
• Die Heimleitung beendet bei den Bewohnenden
persönlich und offiziell die Quarantäne oder Isolation
und fragt nach, wie es gegangen ist, und was
es jetzt braucht.
• In dieser Zeit erhalten die Betroffenen mehrere
Briefe und Geschenke durch Kinder von Mitarbeitenden
sowie weitere Aufmerksamkeiten wie einen
Blumenstrauss vom Haus, Süssigkeiten, Grüsse
von Mitbewohnenden, etc.
• Die Küche zeigt eine erhöhte Aufmerksamkeit
durch kleine Extras.
Lebensqualität und Virenschutz