
Praktische Umsetzung eines Pflegemodells
Kann ein, zugegeben, zunächst nur
theoretisches Pflegemodell auch in
der anspruchsvollen Zeit einer Pandemie
Unterstützung und Hilfe für
Pflegende und die ihnen anvertrauten
Menschen bieten? An einem
Beispiel will dieser Artikel aufzeigen, wie es gelingt,
den Schutz der Bewohnenden unter Erhalt ihrer Lebensfreude
zu verwirklichen – zum Vorteil aller Beteiligten.
Das Leben ist eine Verschmelzung verschiedener
Lebensaktivitäten – dies ist der Ausgangspunkt des
Lebens- und Pflegemodells von Roper, Logan und
Tierney, das in den 1970er Jahren entwickelt wurde.
Die täglichen, zeitlebens vollzogenen Handlungen aller
Menschen werden hierbei 12 Lebensaktivitäten
zugeordnet.
Die Lebensaktivitäten
• Für eine sichere Umgebung sorgen
• Kommunizieren
• Atmen
• Essen und Trinken
• Ausscheiden
• Sich sauber halten und kleiden
• Körpertemperatur regeln
• Sich bewegen
• Arbeiten und Spielen
• Sich als Mann, Frau fühlen und verhalten
• Schlafen
• Sterben
Pflege bedeutet gemäss diesem Ansatz, den Menschen
zu helfen, Probleme in Zusammenhang mit
den Lebensaktivitäten zu lösen, zu lindern oder zu
bewältigen.
Die Abhängigkeit, beziehungsweise Unabhängigkeit,
von pflegerischer Unterstützung ist individuell
verschieden und wird gemäss der Autorinnen von
verschiedenen Faktoren beeinflusst.
Beeinflussende Faktoren
• Körperliche Faktoren
• Psychologische Faktoren
• Soziokulturelle Faktoren
• Umgebungsabhängige Faktoren
• Wirtschaftspolitische Faktoren
An einem Beispiel sei dies verdeutlicht: Wie können
Pflegende in einer Pandemie für eine sichere Umgebung
der ihnen anvertrauten Menschen sorgen und
gleichzeitig zu deren Lebensfreude beitragen?
Für eine sichere Umgebung sorgen
In der Betreuung und Pflege von Menschen im Heim
gehören die Themen Schutz und Sicherheit zu den
alltäglichen Aufgaben. Ein Eintritt ins Heim bedeutet
das Verlassen der gewohnten Umgebung. Häufig
ist dies verbunden mit dem Zurücklassen vertrauter
Gewohnheiten und zwischenmenschlicher Kontakte.
Die Pflegenden erfassen nach einem Eintritt innerhalb
der ersten Tage die individuelle Situation der/des
neuen Bewohnenden. Sie führen Gespräche – auch
mit den Angehörigen – um den Menschen und das,
was ihn beschäftigt, näher kennenzulernen. Dazu gehört
auch die Biografie und die Frage, was der/dem
Bewohnenden besonders viel Freude macht. Es wird
die Basis geschaffen für eine vertrauensvolle Beziehung
zwischen Bewohnenden und Pflegenden.
Im Pflegeprozess gilt es, auf der Grundlage dieser
Informationen und Beobachtungen auf die individuelle
Situation und den Bedarf abgestimmte, professionelle
Massnahmen abzuleiten. In Bezug auf die