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Bezahlen Sie auch mit Twint?
Als Mitglied der Arbeitsgruppe
Alter in der Gesellschaft und
SSR-CSA-Delegierte nahm Felicitas
Würth-Zoller im Januar dieses
Jahres an der digital durch-
geführten Gerontologie-Tagung
teil. Im folgenden Text fasst sie die
Referate und die darin vorgestellten
guten Beispiele für Seniorinnen
und Senioren zusammen:
Autonomie ist ein wesentlicher
Bestandteil eines selbst bestimmten
Lebens älterer Menschen,
auch in Zeiten von Covid-19. Ob
Innovation – technologisch, sozial
oder in anderer Form – die Autonomie
stärken kann, war die Frage
– und wenn ja, wie?
Die Fachtagung vereinte verschiedene
Mitstreiter im Bereich Alter,
aus Wissenschaft und Praxis. Es
wurde aufgezeigt, dass es eine
Ambivalenz zwischen Autonomie
und Betreuung gibt. Die Patientenverfügung
ist eine gute Grundlage,
um mit Betreuten über ihre
Wünsche und Haltungen ins
Gespräch zu kommen. Allerdings
seien 80 Prozent der Patientenverfügungen
unklar formuliert und
liessen grossen Spielraum offen.
In der Realität ist das Heim das
Auffangbecken, wenn Selbständigkeit
nicht mehr möglich ist. Das
Heim ist selten gewollt oder selbst
gewählt. Für diesen Entscheid ist
das gemeinsame Abstimmen aller
Beteiligten nötig, um die beste Lösung
für die Betroffenen zu finden.
Es wurden verschiedene Projekte
aus Basel und Bern ausgewählt,
um gutes Gelingen mittels Videos
zu zeigen.
Die Idee der Quartiervernetzung
scheint ein gutes Beispiel für die
Zukunft zu sein.
Eine niederschwellige Ansprechstelle
für Seniorinnen und Senioren
in der Gemeinde, wo Lösungswege
und Anregungen für Ältere
aufgezeigt werden, kann ein grosse
Hilfe sein. Die Stelleninhaberin
muss gut vernetzt sein, um wirksame
Hilfe zu bieten.
Mobilität
Zentral im Alter ist die eigene
Mobilität, um autonom handeln
zu können. Doch, der technologische
Wandel fordert die Rentnergeneration
heraus:
– Billettautomaten,
– veränderte Darstellung der
Bahninformationen, Billette
auf dem iPhone lösen
– Bestellungen auf dem Tablet
aufgeben,
– Zahlungen im e-Banking
erledigen,
– die Zeitung virtuell abonnieren
und lesen
– Bezahlen mit Twint etc.
Fazit
Wer sich nicht dauernd mit den
technologischen Neuerungen
auseinander setzt, sich den Umgang
damit aneignet, wird gesellschaftlich
abgehängt.
Die Corona-Pandemie hat die
Autonomie der Älteren beschränkt.
Zum Wohl und zum
Nachteil ihrer Gesundheit. Hier
treffen gesellschaftliche und private
Anliegen aufeinander.
Das positive Fazit aus der Situa-
tion 2020:
Initiativen von Jungen in verschiedenen
Städten und Gemeinden
haben Hilfe für die Generation
65plus angeboten, z.B. beim Einkauf.
Viele Detaillisten haben ihre Angebote
mit Heimlieferung ausgeweitet.
Hoffentlich bleibt etwas
davon auch in normalen Zeiten.
Die Bedeutung der Kontakte innerhalb
der Familien und zwischen
den Generationen wurde
deutlich. Die Folgen des Mangels
waren ungesund. Viele ältere
Menschen reagierten mit Depressionen.
Was lernen wir aus der
Situation?
– In Heimen und Spitälern muss
das Personal besser ausgebildet
werden.
– Das Verhältnis zwischen Betreuenden
und Betreuten muss vor
allem in Heimen verbessert werden.
Schutzmasken und Schutzanzüge
sowie Desinfektionsmaterial
müssen zur Verfügung
stehen.
– Der Slogan «Bleiben Sie zu Hause
» war falsch. Er hat den allgemeinen
Gesundheitszustand
verschlechtert.
– Die Pandemie hat die Stärken
und Schwächen unseres Gesundheitswesens
aufgezeigt. Betreffend
neue Technologien sind
Schulungen und «üben, üben,
üben» für Seniorinnen und Senioren
wichtig. Das Bewusstsein
wurde geschärft, dass man die
Teilhabe der Älteren fördern
muss, um ihre Autonomie möglichst
lange zu erhalten.