
16 50 Jahre Frauenstimmrecht
«Isch da etz s’Nötigscht?»
Erinnern Sie sich noch? Belegte
Brötchen, Toast Hawaii, Sandwichtorten
und russische Eier,
Öpfelchüechli, Gleichschwercake
und Äpfel im Schlafrock? Man
wusch mit der Ariel-Klementine
die Wäsche sauber und bügelte
die Kragen mit Speisestärke steif.
Udo Jürgens sang vom «Griechischen
Wein» und Pepe Lienhard
von seiner «Sheila». Ach, das waren
noch Zeiten!
Und war nicht noch etwas in jener
Zeit? Genau. Die Schweizerinnen
erhielten das Frauenstimm- und
Wahlrecht. Das legendäre Datum
war der 7. Februar 1971. Es war ein
langes Ringen, bis die Frauen endlich
zu ihrem Recht kamen. Ein
Recht, für das sie über 100 Jahre
kämpfen mussten. Es war kein
geschenktes, sondern ein langwieriges,
beschwerlich selbst er-
arbeitetes Ja. Viele Kraftakte
waren notwendig. Überzeugungsarbeit
musste geleistet werden, da
der Rechtsanspruch der Frauen als
ketzerischer Gedanke getitelt wurde.
Mit Plakaten, Inseraten und
lautstarken Protesten versuchten
Befürworter und Gegner auf sich
aufmerksam zu machen. Die Plakate
der Gegner wirken heute eher
belustigend, aber damals entsprachen
sie nicht nur dem Denken
und der Überzeugung vieler
Schweizer, sondern auch vielen
Schweizerinnen. «Isch da etz s’Nötigscht?
», fragten sich viele Schweizer
Männer, als sie über das
Stimm- und Wahlrecht der Frauen
abstimmen mussten, weil sie
glaubten, Frauen würden ihr Recht
sowieso nicht wahrnehmen. Die
weiblichen Gegnerinnen meinten,
es würde sich nicht viel ändern.
Zum Glück hatten sie unrecht.
Mit dem politischen Mitspracherecht
der Frauen hat sich in unserer
Gesellschaft einiges geändert.
Darum ist dieses Jubiläumsjahr
so wertvoll. 1981 zum Beispiel
wurde die erste Initiative zum
Gesetzesartikel «Gleiche Rechte
für Mann und Frau» nur von Frauen
lanciert. 1985 folgte die Abstimmung
über das neue Eherecht.
Das Gesetz wurde mit 54,7
Prozent Ja angenommen. Zu
diesem guten Resultat trugen die
stark mobilisierten Frauen bei.
Fast nicht nachvollziehbar ist,
wie oft Frauen, die Pionierarbeit
geleistet hatten, verkannt, zurückgestellt,
zurückgepfiffen oder
ignoriert wurden. Aber nachdenklich
stimmt, dass es teilweise immer
noch so ist. Dauert es nochmals
50 Jahre, bis diese
Ungerechtigkeiten behoben
werden? Frauen und Männer –
wir haben doch die gleichen
Freiheiten verdient.
Ursula Gentsch, Mitglied
Thurgauer Seniorenverband